Ein Kommentar

Iranische Dichter- Haafes (2)

K- Haafes suchte geistige Tiefe. Versuchte, bis zum Kern der Dinge, der Wahrheiten, vorzudringen, was sich nun auch in seiner Dichtung abzeichnete…

W- Das damals verbreitete Derwischwesen oder aber Ssufitum mit all seiner Weltfremdheit behagte ihm nicht, und schon gar nicht die sogenannten „Khaanghaahs“, jene Stätten, die von Derwischen und Ssufis aufgesucht wurden, um sich von Ekstase geprägten Ritualen hinzugeben.
Denn ihnen, die sich in den „Khaanghaas“ zu ekstatischen Zeremonien einfanden, ging es – so dachte Haafes in jenen Jahren – mehr oder weniger nur um persönliche Beglückung. Sie missachteten das Irdische, dessen gute Gaben und suchten, durch Schwärmerei und rauschartige Zustände, in die sie sich hineinbewegten, in himmlische Höhen hinaufzuschweben…

K- Dann aber, gegen Ende seines dritten Lebensjahrzehntes, begann Haafes, sich auch mit den Ssufis zusammenzusetzen. Sogar deren „Khaanghaas“ suchte er auf. Besonders gern unterhielt er sich mit dem bekannten Ssufi-Dichter Khaadschu ye Kermaani, dessen Gedichte ihm gefielen und ihn beeinflussten.

W- Auch mit den großen, sich in zerrissene Gewänder hüllende Derwischen wie Kamaal ud Din Abu l Wafaa, Schaikh Sain ud Din e Taaybaadi, Schaah Ne`mat ullaah Wali und Schaah Qaassem e Anwaar, hatte er nun Umgang und versuchte, ihr Denken zu begreifen und sie zu verstehen…

K- Auch seine Dichtung aus jenen Tagen ist nicht frei von einem mystischen Flair. Sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich des Ausdrucks, des Wortes. Und so blieb es auch späterhin, nachdem er sich bereits von den Khaanghaas wieder zurückgezogen hatte.

W- Doch noch hatte er nicht zu dem gefunden, zu dem er später, als großer Haafes, fand. Er selber fühlte dies auch. Fühlte, dass etwas in seinem Innern noch leer war. Nicht erfüllt…
Noch hatte er seinen Stil, seine Größe nicht erreicht…

K- Haafes war in erster Linie ein Dichter. Ein gelehrter Dichter. Nicht aber dichtender Gelehrter…
Er suchte die Weite, die Höhe, die Tiefe, die Unendlichkeit. Wollte und konnte sein Denken nicht begrenzen…

W- Er liebte das vitale Hervorsprudeln und Geboren-Werden neuer Gedanken, liebte die lebendige Erweiterung und Erneuerung ihrer Dimensionen,
und liebte, mehr als alles, die Wahrheit…

K- Eben jene reine Wahrheit, die Gott zu Beginn dem Menschen anvertraute. Eine Wahrheit, die in der strahlenden Schönheit des Lebens offenbar wird.
In der strahlenden Schönheit und Mannigfaltigkeit des Lebens, das Gott dem Menschen gab und das wahrzunehmen und – in der rechten Weise – zu leben ist. Nicht aber zu übergehen, wie es die Weltentsager tun oder aber zu fliehen wie die Ssufis…

W- Damals, als Schaah Schaikh Abu l Eshaaq – in Schiraas und Faars, erneut die Regie in die Hand genommen hatte, fand Haafes den Zugang zum Hofe und nach und nach, auf seiner Suche nach der Wahrheit, auch zum Leben derer, die das Leben besingen und in berauschendem Tanze zum Ausdruck bringen…

K- Haafes begann, sein Ich in den Hintergrund zu rücken und sein Herz hinzugeben der ewigen Melodie des Lebens. Einer Melodie, die aus allen Richtungen kommend in ihn einzog und ihm Bote der Wahrheit war,
einer einfachen, klaren ewigen Wahrheit, die in ihm, in der Tiefe seines Seins, Widerhall fand und erklang.
Und er begriff, dass in dieser Welt alles, ein jedes, aus dieser ewigen Wahrheit Sein und Sein-Können erhält.

W- In den Nächten, wenn seine Gedanken aus ihm hervordrangen, hinein in weite, unendliche Räume und er sich selber, seines Ichs, nicht mehr bewusst war, begriff er das Geheimnis der Sterne und lehrten ihn die Wiesen die Sprache der Blumen.
Er lauschte dem Lied des Lebens, das ihm die Saiten der Mandoline sangen und fühlte, auch wenn seine Gedanken nun immer mehr Tiefe erhielten, hautnah das Leben. Mit all seinen Dimensionen. Trank es, sog es in sich auf…

K- Und erkannte, im Schirme dieses Fühlens und Erkennens, dass die Gedanken, die der nackte menschliche Verstand gebiert, in Wirklichkeit leer sind. Ohne Leben, oberflächlich. Darum, weil sie der Tiefe, der undendlichen Weite entbehren. Weil ihnen die erquickende Frische und Freudigkeit fehlt, die in den Farben der Natur, im Duft der Wiesen und Blumen und im Zauber des geheimnisvollen Raunens der Zypressen ist. Weil sie leer des beseligenden und hoffnungsfrohen Hauches sind, den die frühe Morgendämmerung verströmt.

W- Haafes begriff. Des Menschen Verstand hilft ihm zwar, zu Wissen über so manches zu kommen, doch ihm das Geheimnis des Lebens, der Wahrheit, zu öffnen, vermag er nicht. Dazu bedarf es mehr. Dazu bedarf es zudem des inneren Erkennens, des Sehens mit dem Auge des Herzens….

K- Haafes bringt dies in seiner Dichtung zum Ausdruck. Unter anderem in folgenden zwei Zeilen, in denen er sagt:

K- Mit anderen Worten:
Dem Verstand ist es nicht möglich, das Geheimnis des menschlichen Seins zu ergründen. Was er diesbezüglich auch zu erklären sucht, es bleibt verschwommen. Hier hilft das wache innere Auge, das Auge des geöffneten Herzens weiter…

Quelle:http://german.irib.ir

Advertisements

Ein Kommentar zu “Iranische Dichter- Haafes (2)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: