Ein Kommentar

Präsident Rohani: Der Islam verbietet die Atombombe

Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte einen Artikel des iranischen Präsidenten Hassan Rohani, in dem der Präsident  nochmals betont, dass der Iran nicht nach Atomwaffen strebt, da diese „den Normen des Islams“ widersprechen .

 

Wir dokumentieren:

Im iranischen Präsidentschaftswahlkampf habe ich versprochen, eine Balance aus Realismus und dem Streben nach Umsetzung der Ideale der Islamischen Republik herzustellen. Meine Regierung und ich bekennen uns zu Mäßigung und gesundem Menschenverstand. Dieses Bekenntnis führte zu der im November in Genf erzielten vorläufigen internationalen Vereinbarung über das iranische Atomprogramm. Es wird uns auch 2014 leiten.
Außenpolitisch ist meine Regierung dabei, frühere extreme Ansätze hinter sich zu lassen. Wir wünschen konstruktive diplomatische Beziehungen mit unseren Nachbarn und anderen regionalen und internationalen Akteuren. Wir werden darauf hinarbeiten, die Spannungen in unseren Beziehungen zum Ausland abzubauen und unsere Verbindungen zu traditionellen und neuen Partnern zu stärken. Zugleich werden wir aktiv unsere übergeordneten Interessen verfolgen.
In einer globalisierten Welt kann kein Land die vor ihm liegenden Herausforderungen allein bewältigen– nicht einmal die Großmächte. Hier kann Iran seine globale Rolle ausweiten. Unsere religiöse Demokratie wird reifer. Die uralte Kultur und Zivilisation Irans, seine lange staatliche Kontinuität, seine geopolitische Lage und gesellschaftliche Stabilität sowie die gut ausgebildete Jugend lassen uns zuversichtlich in die Zukunft blicken und jene wichtige globale Rolle anstreben, die unser Volk verdient und die kein Akteur der Weltpolitik ignorieren kann.
Wir wollen unsere Beziehungen zu den europäischen und nordamerikanischen Ländern auf der Grundlage gegenseitigen Respekts wieder aufbauen und verbessern. Wir bemühen uns, neue Belastungen der Beziehungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten zu vermeiden und ererbte Spannungen zu beseitigen. Wir können nicht vergessen, was das Verhältnis zu den amerikanischen Regierungen in den vergangenen 60 Jahren belastet hat. Doch müssen wir uns jetzt auf die Gegenwart konzentrieren und hin zur Zukunft orientieren. Eine Zusammenarbeit in Fragen von gemeinsamem Interesse und gemeinsamer Sorge würde dazu beitragen, die Spannungen in unserer Region abzubauen. Dies bedeutet, jenen in den USA und in unserer Region entgegenzuwirken, die Iran daran hindern wollen, seinen Status zu stärken. Denn dies verringert die Aussichten auf eine dauerhafte Übereinkunft zu unserem Nuklearprogramm und macht die Fortsetzung der Konfrontation zwischen Iran und den USA wahrscheinlicher.
Unsere Region kämpft mehr denn je mit konfessionellen Spaltungen, Feindschaften zwischen Volksgruppen und neuen Brutstätten des Extremismus und des Terrorismus. Zugleich könnte der jüngste Einsatz chemischer Waffen in Syrien die Völker der Region noch viele Jahre lang verfolgen. Eine Stimme der Mäßigung könnte den Lauf der Ereignisse positiv beeinflussen. Iran ist bereit, sich in diese Richtung zu bewegen und keine Mühe zu scheuen, um Lösungen zu erleichtern. Deshalb sollten jene, die Iran als Bedrohung sehen und seine regionale und globale Glaubwürdigkeit untergraben wollen, damit aufhören – im Interesse des Friedens.
Das Leid des syrischen Volkes berührt mich zutiefst. Als Vertretung eines Volkes, das den Schrecken chemischer Waffen erlebt hat, hat meine Regierung den Einsatz derartiger Waffen scharf verurteilt. Ich bin zudem besorgt darüber, dass Teile des syrischen Staatsgebietes sich zu einem Brutplatz für extremistische Ideologien und zu Sammelstellen für Terroristen entwickelt haben. Auch für viele andere Länder ist dies ein Anlass zur Sorge. Eine dauerhafte politische Lösung in Syrien zu finden, erfordert gemeinsame Anstrengungen. Wir sind daher erfreut, dass sich 2013 die Diplomatie gegenüber den Drohungen einer Militärintervention durchgesetzt hat. Darauf müssen wir aufbauen und begreifen, dass es dringend koordinierter regionaler und internationaler Anstrengungen bedarf. Wir sind bereit, im Rahmen ernsthafter Verhandlungen unseren Beitrag zum Frieden und zur Stabilität in Syrien zu leisten.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde das friedliche Nuklearprogramm Irans enorm hochgespielt. Seit Anfang der 1990er-Jahre hat sich eine Prognose nach der anderen, wie nah der Iran der Atombombe gekommen sei, als falsch erwiesen. Während des gesamten Zeitraums versuchten Unruhestifter, Iran als Bedrohung für den Mittleren Osten und die Welt darzustellen. Wir alle wissen, wer der Hauptagitator ist. Wir wissen auch, dass diese Behauptung proportional zu dem Maß an internationalem Druck fluktuiert, den Siedlungsbau einzustellen und die Besetzung der Palästinensergebiete zu beenden. Und dies alles ungeachtet der Einschätzungen der US-Geheimdienste, dass Iran keine Nuklearwaffe bauen wolle.
Tatsächlich sind wir entschlossen, nicht auf die Entwicklung und Produktion einer Atombombe hinzuarbeiten. Wie die vom Obersten Religionsgelehrten Ayatollah Ali Khamenei erlassene Fatwa erklärt, sind wir überzeugt, dass Entwicklung, Produktion, Lagerung und Nutzung von Nuklearwaffen den Normen des Islam widersprechen. Wir haben die Option, Nuklearwaffen zu erwerben, noch nicht einmal in Betracht gezogen. Derartige Waffen untergraben unsere nationalen Sicherheitsinteressen, daher ist für sie kein Platz in der Sicherheitsdoktrin Irans. Selbst die Wahrnehmung, dass Iran Nuklearwaffen entwickeln könnte, schadet unserer Sicherheit.
Ich will alles in meiner Macht Stehende tun, um die Auseinandersetzung über unser Nuklearprogramm zu beenden. Über die vorübergehende Übereinkunft vom November hinaus sind wir bereit, weiter mit den fünf ständigen Mitgliedern des UN-Sicherheitsrates und Deutschland sowie anderen zusammenzuarbeiten, um vollständige Transparenz in Bezug auf unser Nuklearprogramm zu gewährleisten.
Unsere friedliche Nutzung der Atomenergie wird den Überprüfungen durch die Internationale Atomenergie-Organisation weiterhin zugänglich sein. So kann die internationale Gemeinschaft sicherstellen, dass unser Nuklearprogramm ausschließlich friedlichen Zwecken dient. Wir werden niemals auf unser Recht verzichten, von der Nuklearenergie zu profitieren. Aber wir arbeiten darauf hin, alle Zweifel auszuräumen und alle vernünftigen Fragen über unser Programm zu beantworten.
Druck, Nötigung, Einschüchterung und Sanktionen führen lediglich dazu, die Atmosphäre zu vergiften und die Voraussetzungen für Fortschritte zu untergraben. Iran ist zum ernsthaften Dialog und zu Verhandlungen bereit. Wir hoffen, dass auch unsere Amtskollegen das Zeitfenster nutzen, das sich aufgetan hat.

Quelle:http://german.irib.ir

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Ein Kommentar zu “Präsident Rohani: Der Islam verbietet die Atombombe

  1. Hat dies auf Walter Friedmann rebloggt und kommentierte:
    Der Islam verbietet die Atombombe

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